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Medikamentenskandal in Frankreich

Tierversuche erweisen sich erneut als fataler Irrweg

Tierversuche wiegen Menschen in einer falschen Sicherheit, wie der Medikamentenskandal in Frankreich jüngst erneut beweist, ist sich die deutschlandweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche sicher. Sechs Testpersonen eines neuen Medikaments erlitten schwere Nebenwirkungen, ein Mensch ist bereits hirntot. Nach Aussage des Vereins wird es immer wieder solche dramatischen Ereignisse geben, solange am Tierversuch festgehalten wird.

„Der aktuelle Fall reiht sich in zahlreiche schwerwiegende Medikamentenskandale, bei denen Menschen Opfer von aufgrund von an Tieren als sicher getesteten Arzneien werden“, so Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Sprecherin der Ärztevereinigung. „Dabei ist längst bekannt, dass die Übertragung von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen ein Lotteriespiel mit unvorhersehbaren Folgen ist.“

Ärzte gegen Tierversuche weist auf kürzlich bekannt gewordene Studien hin, die aufzeigen, dass 95 % der in Tierversuchen für sicher und wirksam befundenen Arzneien beim Test an Menschen (Klinische Prüfung) versagen. 2004 waren es gemäß einer zentralen Studie der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA 92 % - die Präparate wirkten nicht, anders oder schädigten den Menschen. Außerdem werden von den Medikamenten, die es auf den Markt schaffen, später 20-50% zurückgezogen oder mit Warnhinweisen versehen.

Beispielhaft für das Versagen nennt der Verein: das Gentech-Medikament TGN1412 zur Behandlung von u.a. Leukämie, Arthritis und Multipler Sklerose, das vor 10 Jahren für sechs Probanden in der Phase I-Erprobung zu bleibenden Schäden wie Multiorganversagen und Amputationen führte. Vom Markt genommen werden mussten unter anderem: 2013 das Muskelrelexans Tetrazepam wegen schwerer Hautreaktionen, das Diabetesmedikament Avandia wegen erhöhtem Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko 2010, das Schlankheitsmittel Acomplia wegen psychischer Störungen und Selbstmord im Jahr 2008, das Herzmedikament Trasylol wegen Herzversagen mit Todesfolge 2007, das Schmerzmittel Vioxx aufgrund von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Todesfällen 2004, der Cholesterin-Senker Lipobay wegen Muskelzerstörung und Todesfällen 2001.

Der Ärzteverein fordert umgehend einen Paradigmenwechsel weg vom Tierversuch, hin zu innovativen und zuverlässigen Testmethoden, die für den Menschen aussagekräftige Ergebnisse liefern. In Biochips etwa, in denen aus menschlichen Zellen Organe simuliert werden, die in einem Stoffwechselsystem verbunden sind, zirkulieren Testsubstanzen wie durch einen echten Menschen. Computersimulationen basieren auf menschlichen Daten und die Reaktion eines Medikaments kann vorhergesagt werden. „Jedes Medikamentenopfer sowohl bei Menschen als auch bei Tieren ist eines zuviel“, so Strittmatter.

In dem Medikamententest an 128 gesunden Frauen und Männern erhielten 90 die Testsubstanz, die übrigen ein Placebo. Sechs Männer im Alter von 28 bis 49 Jahren, die das Medikament erhielten, mussten wegen schwerwiegender Nebenwirkungen in ein Krankenhaus eingewiesen werden, einer ist hirntot und drei weitere erleiden neurologische Beschwerden und tragen voraussichtlich lebenslängliche Schäden davon. Zuvor wurde das Medikament nach Aussage des französischen Gesundheitsministeriums in unterschiedlichen Dosierungen an verschiedenen Tierarten, darunter Affen, getestet. Ob es sich bei den Affen tatsächlich, wie offiziell angegeben, um Schimpansen handelt, ist nach Einschätzung der Ärztevereinigung fraglich, da die Tests in der Regel an Makakenaffen erfolgen. Auch werden in Europa seit 2004 keine Versuche an Schimpansen mehr durchgeführt, einige EU-Länder haben ihren Einsatz gar verboten.

Nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums wurde dieses Medikament im Rahmen der Phase I im Auftrag des privaten Auftragslabors BIOTRIAL in Rennes (Drug Evaluation and Pharmacology Research) vom portugiesischen Hersteller BIAL entwickelt. Dieser Quelle zufolge soll es sich um ein Schmerzmittel handeln, das an dem körpereigenen Cannabinoid-System ansetzt.

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