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Nahrung für Zellkulturen

Fetales Kälberserum für millionenfaches Tierleid verantwortlich

30. August 2017

Fetales Kälberserum (FKS) wird als Nährlösung zur Kultivierung von Zellen genutzt. Seine Gewinnung ist extrem grausam. Dabei gibt es längst ethisch einwandfreie Nährmedien, die etwa aus abgelaufenen Blutspenden hergestellt werden. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche will auf diesen Missstand aufmerksam machen und Zellkulturforscher zum Umdenken bewegen.

Anstelle von Tierversuchen kommen zunehmend Kulturen und Organchips aus menschlichen Zellen zum Einsatz, die etwa bei Operationen als Abfall anfallen. Sie werden bei Giftigkeitsprüfungen von Chemikalien oder bei der Medikamentenentwicklung genutzt. Um diese Zellen am Leben zu halten und zum Wachsen zu bringen, benötigen sie ein Nährmedium, d.h. eine Flüssigkeit in der verschiedene Nährstoffe enthalten sind. Als „Goldstandard“ wird dafür bisher standardmäßig Blutserum von ungeborenen Kälbern genutzt.

Doch die Gewinnung dieses fetalen Kälberserums (FKS) ist grausam. Unmittelbar nach der Schlachtung einer schwangeren Kuh wird dieser der Fötus aus der Gebärmutter herausgeschnitten. Dann wird dem noch lebenden Kalb eine dicke Nadel direkt ins schlagende Herz gestoßen und Blut abgesaugt, bis es blutleer ist und das Kalb stirbt.

Obwohl laut wissenschaftlicher Studien davon auszugehen ist, dass Kälberfeten bereits leidensfähig sind, geschieht diese Prozedur ohne Betäubung. Weltweit werden etwa 800.000 Liter fetales Kälberserum verwendet. Pro Kalb wird ca. ein halber Liter Blut gewonnen. Dies bedeutet den qualvollen Tod von jährlich 1-2 Millionen Kälbern.

Die Herkunft des Kälberserums bestimmt dabei ebenso den Preis. Serum aus Neuseeland oder Australien ist besonders teuer, da das Blut der Inselkühe frei von Seuchen wie Maul- und Klauenseuche ist. Die Preise pro Liter FKS können deshalb von 100 Euro bis zu mehreren Tausend Euro schwanken und machen das Serum zu einem lukrativen Nebenprodukt der Fleischgewinnung.

Tierleidfreie Möglichkeiten gibt es längst. Beispielsweise bietet das humane Blutplättchen-Lysat (hPL), das aus abgelaufenen Blutspenden hergestellt wird, viele Vorteile gegenüber dem fetalen Kälberserum. Da es sich um Serum von Menschen handelt, ist es als Nährmedium für ebenfalls menschliche Zellen sehr gut geeignet.

„FKS-Medien werden zum großen Teil in der In-vitro-Forschung eingesetzt, d.h. von jenen Wissenschaftlern, die ohne Tierversuche forschen und meist auch einen hohen ethischen Anspruch haben. Wir möchten Zellkulturforscher zum Umstellen bewegen und haben jetzt Infos einschließlich Bezugsquellen unter fks-frei.de bereitgestellt“, so Julia Schulz, Tierärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche.

Weitere Informationen: www.fks-frei.de

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