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NEUIGKEITEN

Auge-auf-dem-Chip...


... mit blinzelndem Augenlid!

Amerikanischen Wissenschaftlern ist es gelungen, ein Auge aus menschlichen Zellen mit einem blinzelndem Augenlid im Miniformat zu kreieren.

Atmende Lungen, schlagende Herzen und filternde Nieren in Smartphone- oder USB-Stick-Größe – die Organ-on-a-chip genannte Technologie wartet mit immer neuen Innovationen auf. Nerven, Blut-Hirn-Schranke, Herz, Leber, Darm, Immunsystem, Nieren, Arterien, Haut und kombiniert als Mini-Mensch sind von verschiedenen Instituten und Firmen bereits entwickelt worden. Dabei werden etwa Hautzellen von Menschen zu Stammzellen zurückprogrammiert, aus denen dann verschiedene Zellarten wie Leber- oder Herzmuskelzellen generiert werden können. Im Gegensatz zu Tierversuchen liefert die Forschung an solchen Systemen für den Menschen relevante Aussagen.

Auge-auf-dem-Chip von BIOLines an der University of Pennsylvania. Foto: BIOLines

Professor Dan Huh von der University of Pennsylvania hat sich auf Augen spezialisiert. Sein Auge-auf-dem-Chip besteht aus menschlichen Augenhornhaut- und Bindehautzellen. Um die Situation möglichst realistisch nachzubilden, haben Huh und sein Team ein mechanisches Augenlid entwickelt, das sich über der Hornhaut auf und ab bewegt. Die schützende und Feuchtigkeit verteilende Funktion des Lids ist für das Auge essenziell. So können chronische Augenkrankheiten wie trockenes Auge erforscht und neue Wirkstoffe getestet werden. Augenspezialist Huh war Postdoc beim Wyss-Institut an der Harvard University, den Pionieren der Chip-Technologie. Eine Retina-auf-einem-Chip hat sein Team als nächstes in Arbeit.

Organchip-Systeme sind nicht nur aus ethischen Gründen auf dem Vormarsch, weil so unzähligen Tieren der Tod im Labor erspart bleibt, sondern auch, weil sie viel effektiver sind. Zudem legen sie den Grundstein für die personalisierte Medizin. Bei diesem Zukunftsmodell wird aus Zellen eines Patienten ein Patient-auf-einem-Chip generiert, an dem nun speziell auf ihn zugeschnittene Medikamente getestet werden können.

Quelle: Diana Kwon: Organs on chips. The Scientist, 28. August 2017

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